Stimmen von der Straße
"Sudern ist ja immer noch Jammern auf hohem Niveau. Der Wiener sudert nicht über echte Probleme. Nein, über das Wetter, die Politik und die depperten Touristen. Beispiel, er hat 20 Minuten gesudert, weil der Kebab um 10 Cent teurer geworden ist. Da hab ich mir gedacht, bist du deppert? Das ist ein Suderer."
Was es bedeutet
Sudern ist dieses urwienerische Dauerjammern mit Schmäh. Man regt sich auf, aber eher auf simmernder Flamme als mit Vollgas. Da wird über Wetter, Öffis, Preise, Leute und das Leben im Allgemeinen geraunzt, oft lang, oft melodisch, oft fast schon gemütlich. Beim Sudern geht’s nicht immer um eine Lösung, sondern darum, den Frust einmal ordentlich rauszukochen, während das Gegenüber verständnisvoll mitnickt.
Verwendungsbeispiele
"Er hat 20 Minuten gesudert, weil der Kebab um 10 Cent teurer geworden ist."
"Der Onkel Karl sudert seit drei Stunden im Café Sperl am Naschmarkt über die Schaffner der Wiener Linien, den Preis der Melange und das Wetter des Wochenendes, und die Bedienung bringt ihm rechtzeitig die Zeitung der Kronen, damit er einen neuen Anlass zum Sudern findet."
"Mei Großmutter sudert im Hofgarten in Hietzing über den Lärm der Kinder vom Spielplatz nebenan, über die Tauben, die ihr Brot stehlen, und über den Hund vom Nachbarn, der jeden Sonntagmorgen pünktlich um halb sieben anfängt zu bellen wie ein bezahlter Wecker."
"Im Beisl hat er erst mal zehn Minuten übers Trinkgeld, die Zugluft und den lauwarmen Kaffee gesudert."
"Hör auf zu sudern und komm, wir holen uns noch ein Semmerl, dann schaut die Welt eh wieder freundlicher aus."
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Woher es kommt
Sudern ist im Österreichischen und Bairischen schon lange da. Das Wort hängt mit älteren Dialektformen wie sudern und suddeln zusammen und steckt sprachlich in derselben muffig-brodelnden Ecke von leise vor sich hin murren. In Wien hat sich daraus diese fast schon kultivierte Art entwickelt, den Alltagsfrust gemütlich rauszunörgeln.
Andere Arten, es zu sagen
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