„Krümelix auf Roboter-Raubzug. Endlich machst du mal etwas für dein Geld.“ Sandra sagte es zu ihrem neuen Saugroboter, als würde sie einen Angestellten befördern. Mit einem triumphierenden Fingertipp aktivierte sie das glänzende Gerät, schnappte ihre Handtasche und verschwand durch die Wohnungstür. Klick. Stille.

Dann erwachte der Roboter mit einem zufriedenen Summen. Er rollte los. Und genau in diesem Moment öffnete ein anderer Bewohner der Wohnung ein Auge: Bruno. Ein Mops von beeindruckender Rundlichkeit und noch beeindruckenderer Faulheit. Bruno betrachtete den Roboter, betrachtete sein Hundebett, betrachtete den Roboter erneut und traf eine Entscheidung von historischer Tragweite. Er würde heute keinen einzigen Schritt gehen.

Mit einem schweren Plopp ließ er sich direkt auf den fahrenden Roboter fallen. Der Roboter ächzte, die Räder quietschten, aber er fuhr weiter. Und plötzlich glitt Bruno majestätisch durch das Wohnzimmer wie ein Kaiser auf einem elektronischen Streitwagen. Vom obersten Regal des Bücherzimmers ertönte ein ersticktes Kichern. Dort saß Krümelix, ein Magikito-Kobold mit einer Weste aus ausgeschnittenen Kaffeekapseln und einer Mütze aus einem zusammengefalteten Kassenzettel. Neben ihm hockte sein Animagikito-Gefährte Nussbert, ein Eichhörnchen mit buschigem Schwanz und einem Umhang aus alten Teebeutel-Etiketten.

Die beiden waren eigentlich wegen Sandra gekommen. Schon seit Tagen hatte sie gespürt, wie die Frau durch ihre Termine hetzte: Arbeit, Einkaufen, Telefonate, E-Mails, immer schneller, immer mehr. Selbst ihr Lachen hatte es inzwischen eilig. Doch nun standen beide Magikitos vor einem ganz anderen Problem. Sie konnten vor Lachen kaum atmen, denn Bruno hatte begonnen, seine Herrschaft anzutreten.

„Schau ihn dir an“, japste Krümelix. „Der Mops saß kerzengerade auf seinem Gefährt. Seine Lefzen flatterten im Fahrtwind der eigenen Geschwindigkeit.“ Der Roboter bog nach links. Bruno nicht. Bumm. Ein Stuhl kippte um. Der Roboter bog nach rechts. Bruno nicht. Kronk. Ein Beistelltisch wanderte quer durchs Zimmer. „Er glaubt wirklich, er steuert das Ding?“, quietschte Nussbert.

Als hätte Bruno ihn gehört, reckte der Mops stolz die Brust. Der elektronische Thron setzte sich erneut in Bewegung. Direkt auf eine Zimmerpflanze zu. Die Pflanze hatte keine Chance. Flatsch. Ein Farn verteilte sich quer über den Teppich. Bruno blinzelte zufrieden. Krümelix musste sich im Regal festhalten. „Das ist das Lustigste, das ich seit der Invasion mit den tanzenden Waffeleisen je gesehen habe.“

Doch während sie lachten, spürte der Kobold etwas anderes. Unter Sandras Stress hatte sich eine dicke Schicht aus Ernsthaftigkeit über die Wohnung gelegt. Alles war perfekt organisiert, perfekt aufgeräumt, perfekt geplant. Und gleichzeitig war jeder Winkel ein bisschen freudlos geworden.

„Weißt du was?“, sagte Krümelix und grinste. „Ich glaube, wir helfen heute nicht dem Hund. Wem dann? Der Frau.“ Nussbert verstand sofort. Der Eichhörnchen-Animagikito sprang los. Flitz, flitz, flitz. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit sammelte er sämtliche heruntergefallene Eicheln aus seinem Reisebeutel und versteckte sie in der Wohnung. Eine in einem Blumentopf, eine hinter dem Fernseher, eine im Schuhregal, eine sogar in Sandras Handtasche.

Währenddessen zog Krümelix einen winzigen Pinsel aus seinem alten Zahnbürstenkopf hervor. Mit ihm malte er unsichtbare Wirbel auf die Sensoren des Roboters. Pitsch, patsch, puff. Nun begann der eigentliche Zauber. Der Roboter fuhr nicht mehr zufällig gegen Möbel. Er fuhr gezielt. Immer dorthin, wo eine versteckte Eichel lag. Und Bruno saß weiterhin oben wie ein pelziger Kaiser.

Durch das Wohnzimmer, in den Flur, ins Schlafzimmer, zurück in die Küche – überall hinterließ die wilde Jagd kleine Spuren des Chaos. Aber auch etwas anderes: Gelächter. Denn als Sandra Stunden später heimkam, erwartete sie keinen makellosen Boden. Sie öffnete die Tür und erstarrte. Eine Palme lag quer über dem Teppich. Ein Stuhl stand auf dem Kopf. Der Roboter kreiste erschöpft um einen Hocker. Und mitten im Wohnzimmer saß Bruno auf seinem Thron, als wäre er Eigentümer der gesamten Immobilie.

„Was ist hier passiert?“ Bruno antwortete mit einem zufriedenen Schnarren. Sandra wollte sich aufregen. Wirklich. Sie holte bereits Luft. Doch dann bemerkte sie etwas. Eine Eichel. Mitten auf dem Esstisch. Dann eine zweite auf dem Fensterbrett. Eine dritte auf dem Sofa. Und plötzlich sah die Wohnung aus wie die Schatzkarte eines verrückten Eichhörnchens.

Sandra begann zu suchen. Erst die nächste Eichel, dann die nächste. Dann noch eine. Eine halbe Stunde später kroch sie lachend unter den Esstisch. Zum ersten Mal seit Wochen dachte sie weder an Termine noch an Rechnungen. Sie jagte Eicheln. Wie ein Kind. Als sie schließlich die letzte in ihrer Handtasche fand, saß sie lachend auf dem Boden.

Bruno schlief inzwischen wieder. Der Roboter ebenfalls. Zumindest wirkte es so. Oben auf dem Bücherregal betrachteten Krümelix und Nussbert ihr Werk. „Mission erfüllt“, sagte Nussbert. „Eigentlich hat der Mops alles gemacht.“ „Die besten Pläne sind die, die man nicht geplant hat“, antwortete Krümelix. Dann verschwanden die beiden Magikitos lautlos zwischen den Büchern.

Und unten in der Wohnung blieb nur ein müder Mops zurück, der nie erfahren würde, dass er für einen Nachmittag der mächtigste Herrscher eines ganzen Königreichs gewesen war. Manchmal versteckte sich die Freude genau dort, wo der perfekte Plan zum ersten Mal gegen eine Zimmerpflanze fährt.

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