Stimmen von der Straße
"Auf dicke Hose machen. Angeben, übertreiben. Beispiel, er erzählt, wie viel er angeblich verdient, aber keiner glaubt ihm. Er macht einfach zu sehr auf dicke Hose. Das merkt man sofort."
Was es bedeutet
Heißt: groß angeben und mehr darstellen, als wirklich dahintersteckt. Oft geht's um Kohle, Status, Kontakte oder angebliche Skills. Sagt man, wenn jemand fett Show fährt und dabei eher nach Blender als nach echtem Kaliber rüberkommt.
Verwendungsbeispiele
"Der erzählt wieder, er verdient angeblich wie ein Boss, aber keiner glaubt’s, weil er so auf dicke Hose macht, dass selbst sein Handy Fremdscham kriegt"
"Der neue Kollege der Marketing-Abteilung der zweiten Etage des Bürogebäudes der Friedrichstraße im Berliner Mitte erzählt wieder am Kaffeevollautomaten der Pausenecke der Glaskabine des dritten Stocks, er verdient angeblich wie ein Boss der Geschäftsführung mit Bonusprogramm der Aktienoption, aber keiner der Stammrunde des Mittagstischs glaubt es noch nach drei Wochen Probezeit, weil er so auf dicke Hose macht, dass selbst sein iPhone der dritten Generation Fremdscham auf dem Display kriegt."
"Beim Familientreffen der Großeltern in der Reihenhaussiedlung Lübeck-St. Lorenz am verlängerten Wochenende des Silberhochzeitsjubiläums der Tante hat sich der Schwager aus Köln-Ehrenfeld an den Tisch der Geburtstagstafel im Wintergarten der Schwiegereltern gesetzt und auf dicke Hose gemacht mit der angeblichen Beförderung zum Bereichsleiter der Versicherungsgesellschaft, die Schwiegermutter im Lehnsessel der ersten Reihe hat im Stillen die Augen gerollt vom Geburtstagskuchen der Bäckerei zum Sekt der Aperitivrunde."
"Chill mal, Bruder, du musst hier nicht auf dicke Hose machen, wir sind nur beim Späti und nicht auf'm roten Teppich."
"Er hat fünf Minuten ein neues Auto und macht schon auf dicke Hose, als hätte er halb Dubai gekauft."
Etwas zu sagen?
Bearbeite, korrigiere oder erzähl uns etwas. Wir prüfen es und, wenn es echt ist, siehst du es mit deinem Namen übernommen.
Woher es kommt
Idiomatische Wendung der deutschen Umgangssprache mit Wurzeln in der Tracht der schwäbisch-süddeutschen Mannskleidung des neunzehnten Jahrhunderts, wo der dicke Geldbeutel des wohlhabenden Bauern in der Hosentasche der Lederhose oder der Bundfaltenhose deutlich sichtbar als äußeres Zeichen des Reichtums getragen wurde. Die Wendung hat sich im Sprichwort der westdeutschen Wirtschaftswunderära der fünfziger Jahre als spöttische Etikette des Angebers etabliert, der mehr scheint als er ist, und gehört heute fest ins Vokabular der Pausenkaffeegespräche und der Stammtischrunden zwischen Hamburg und München.
Andere Arten, es zu sagen
Editoren dieses Begriffs
Deine Stimme zählt
Echte Straßensprache oder haben wir es übertrieben? Stimm ab.