Stimmen von der Straße

Joshua · Deutschland
"Sich neu zu finden, nach einer schwierigen Phase habe ich gemerkt, dass ich mich selbst ein bisschen verloren habe. Also habe ich angefangen, mich neu zu finden, neue Dinge auszuprobieren, alte Gewohnheiten zu hinterfragen. Das ist kein schneller Prozess, aber ich bin ein anderer."

Was es bedeutet

Sich neu finden heißt, nach einem Bruch oder einer wilden Chaosphase das eigene Leben Stück für Stück neu zusammenzustecken. Da wird nicht plötzlich alles heil, eher testest du neue Routinen, andere Leute, vielleicht auch neue Seiten an dir. Da steckt Hoffnung drin, aber auch Geduld, weil man sich nicht auf Knopfdruck wieder spürt.

Verwendungsbeispiele

"Nach dem ganzen Chaos musste er sich erst mal neu finden, bisschen Ruhe, bisschen Neues testen, bis wieder klar war, wer er ist."
"Meine Schwester muss sich seit der Scheidung im April neu finden, sie hat sich für einen Aquarellkurs im Volkshochschule in Frankfurt-Sachsenhausen angemeldet, einen Mietwagen für ein Wochenende in der Eifel gebucht und den alten Kaffeekreis vom Sonntag wieder aktiviert."
"Mein Vater versucht sich seit der Pensionierung im Oktober neu zu finden, er hat den Schrebergarten in Bonn-Bad Godesberg übernommen, die Volkshochschule für italienische Konversation eingeschrieben und seinen Schwiegersohn um Anleitungen für das Sourdough-Brot gebeten, das er seit Jahren bewundert."
"Nach der Scheidung hat sie sich erst mal neu gefunden, neuer Sport, neue Stadt, neue Leute."
"Nach dem Burnout hat er sich nicht direkt gefangen, der war erst mal damit beschäftigt, sich neu zu finden und seinen Kopf wieder geradezuziehen."

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Tonfall
Liebevoll Bewundernd Zärtlich

Woher es kommt

Sich neu finden hat seinen Ursprung in der reformerischen Lebensberatungsliteratur der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, als Autoren wie Marie-Luise Schwarz-Schilling und Bert Hellinger den Begriff in den deutschen Mainstream der Selbsthilfe geschoben haben. Die Formulierung knüpft an die ältere philosophische Tradition des sich selbst Finden bei Friedrich Nietzsche und Karl Jaspers an, aber sie ist im täglichen Sprachgebrauch in den nuller Jahren des einundzwanzigsten Jahrhunderts durch die Coaching-Industrie und durch die Bestsellerlisten der populären Psychologie endgültig verankert worden.

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