Stimmen von der Straße

Hanna · Bayern
"Mach ruhig. Mach ruhig bedeutet, dass jemandem etwas erlaubt wird, etwas zu tun. Beispiel, mein Freund hat mich letztens gefragt, ob er mit seinem Kumpel rausgehen darf und was trinken kann, und ich sage nur mach ruhig und ich bin mir trotzdem unsicher."

Was es bedeutet

Mach ruhig sagt man, wenn du jemandem grünes Licht gibst. Oft klingt es freundlich und locker, kann aber je nach Ton auch heißen: Ja ja, mach halt, wenn du meinst. Der Witz steckt nicht in den Wörtern, sondern in Stimme, Blick und Stimmung. Genau da entscheidet sich, ob das warm, genervt oder schön passiv-aggressiv rüberkommt.

Verwendungsbeispiele

"Er: Kann i mit’m Kumpel no raus? Du: Ja mach ruhig, aber meld di kurz, wennst dahoam bist."
"Mach ruhig, hat mei Mutter gesagt, als ich am Sonntagnachmittag das letzte Stück Apfelstrudel vom Backblech genommen habe, und sie hat dabei ein winziges Augenzwinkern verteilt, das aussah wie zwei Lichter in einem Heimatfilm der fünfziger Jahre."
"Mach ruhig den Fernseher an, hat mei Schwiegervater gesagt, als ich am Samstagabend nach dem Essen den Schalter gefragt habe, und gleich danach hat er das Sportstudio des Bayerischen Rundfunks von neunzehnneunundachtzig auf VHS aus dem Schrank geholt und auf den Tisch gestellt."
"Kann i den letzten Krapfen nehmen? Ja, mach ruhig, aber dann beschwer di nachher net, wenn da Papa schaut wie ein beleidigter Dackel."
"Wennst heut schon wieder erst um elf auftauchst, mach ruhig. I sitz eh nur seit halb zehn hier und züchte innerlich schlechte Laune."

Etwas zu sagen?

Bearbeite, korrigiere oder erzähl uns etwas. Wir prüfen es und, wenn es echt ist, siehst du es mit deinem Namen übernommen.

Tonfall
Liebevoll Ironisch

Woher es kommt

Mach ruhig ist ein Klassiker der bayerischen Gastfreundschaft mit ironischer Note, dokumentiert seit dem späten neunzehnten Jahrhundert in den Wirtshausstücken von Ludwig Thoma und Ludwig Anzengruber. Die Wendung kombiniert das Verb machen, das im Bayerischen als allgemeine Erlaubnisformel funktioniert, mit dem Adverb ruhig, das die Genehmigung mildert und gleichzeitig ein kleines Augenzwinkern hinzufügt. Im Wienerischen findet sich die parallele Wendung tu nur, mit derselben Mischung aus Freundlichkeit und leiser Vorbehalt.

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