Stimmen von der Straße

Hanna · Bayern
"Ich komme nicht klar. Nicht klarkommen bedeutet, dass man etwas nicht versteht. Beispiel, ich habe heute versucht, die Physikaufgabe zu verstehen, aber ich bin einfach überhaupt nicht klargekommen."

Was es bedeutet

Sagt man, wenn man mit etwas gerade gar nicht klarkommt, also es nicht checkt, nicht handeln kann oder mental einfach kurz gegen die Wand fährt. Kann bei Mathe, Technik, Drama oder Gefühlen fallen. Klingt ehrlich und oft ein bisschen fertig, so nach Seufzer, Augen zu und erst mal kurz raus aus dem Film.

Verwendungsbeispiele

"Der Physikzettel schaut mi an, i schau zurück, nix passiert. I komm nicht klar, i mach erstmal a Pause und hol ma a Cola."
"Der Physikzettel der zwölften Klasse des Gymnasiums in München-Bogenhausen schaut mich an mit der mechanischen Aufgabe der Reibungskraft auf der schiefen Ebene des dritten Übungsblattes, i schau zurück vom Schreibtisch des Jugendzimmers, nichts passiert in den nächsten zwanzig Minuten, i komm nicht klar mit der Formel der Trigonometrie, i mach erstmal eine Pause und hol mir eine Cola Zero aus dem Kühlschrank der Küche."
"Mein Freund von der WG-Etage des Münchner Stadtteils Haidhausen kommt nicht klar mit der neuen Beziehung der Ärztin der Klinik am Friedensengel seit drei Monaten des Frühjahrs, sie schreibt ihm immer um halb elf am Abend und antwortet nicht vor halb sieben am nächsten Morgen, das Hin und Her der Erwartungen des Wochenend-Treffens macht ihn fertig am Sofa der gemeinsamen Wohnung mit dem ungeöffneten Bier der Brauerei aus dem Allgäu."
"Bei der Steuererklärung von meinem Vater bin ich nach drei Zeilen ausgestiegen. Ich komm nicht klar, mach du bitte diesen Behördenzauber."
"Sie erzählt mir seit zwanzig Minuten von ihrem Ex, ihrem Chef und irgendeinem Manifesting-Ding. Bruder, ich komm nicht klar, mein Kopf hat schon Feierabend."

Etwas zu sagen?

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Tonfall
Witzig Zärtlich Jugendlich

Woher es kommt

Idiomatische Wendung des deutschen Alltagsgebrauchs des späten zwanzigsten Jahrhunderts, gebildet aus der Grundbedeutung des Verbs klarkommen (eine Sache erfolgreich bewältigen) verneint zur ehrlichen Selbstkapitulation. Im bairischen Tonfall mit dem i statt ich erscheint die Wendung besonders prägnant in der Jugendsprache der achtziger Jahre der Münchner Gymnasien und der Realschulen des Oberlands, und hat sich seitdem zur landesweiten Standard-Floskel der ehrlichen Niederlage vor dem Physikzettel, dem Beziehungsstreit oder dem WLAN-Router des Vaters entwickelt, immer begleitet vom kleinen Seufzer und dem Wunsch nach einer Pause der Kaffeemaschine.

Andere Arten, es zu sagen

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