Stimmen von der Straße

Kunzo · Wien
"Genau ist das Wiener Standardwort für Zustimmung. Egal was du sagst, genau passt immer. Auch wenn der andere Blödsinn redet. Beispiele? Die Erde ist eine Scheibe. Genau. Und der Mond ist aus Käse. Genau. Du bist ein Trottel. Genau. He, was hast du gesagt?"

Was es bedeutet

Genau ist das Schweizer Taschenmesser der Zustimmung. Du kannst es auf alles draufklatschen, auch wenn’s kompletter Schmarrn ist. In Wien ist genau oft nicht echtes Einverständnis, eher ein: ja ja, red weiter, i hör eh zu. Es kann freundlich sein, sarkastisch, müde, oder pure Eskalation im Passivmodus. Ein Wort, das alles abnickt und nix verrät.

Verwendungsbeispiele

"Er erklärt, der Mond is aus Leberkas. I sag genau. Dann nennt er mi Trottl. I sag genau. So geht Kommunikation in Wien."
"Du meinst, wir treffen uns um acht? Genau, vor dem Kino wie immer."
"Auf jede zweite Bemerkung kommt von ihr ein genau, manchmal hört sie gar nicht richtig zu."
"A: Du kommst eh in fünf Minuten. B: Genau. Er war noch nicht mal duschen."
"Sie redet seit zehn Minuten auf ihn ein und von ihm kommt nur genau, genau, genau. Da weißt eh schon, der Akku ist leer."

Etwas zu sagen?

Bearbeite, korrigiere oder erzähl uns etwas. Wir prüfen es und, wenn es echt ist, siehst du es mit deinem Namen übernommen.

Tonfall
Ironisch Witzig Jugendlich

Woher es kommt

Genau ist ganz normales Deutsch und kommt aus dem Adjektiv genau im Sinn von präzise oder exakt. Als Gesprächswort hat es sich daraus verselbstständigt und heißt einfach stimmt, ja, eben oder schon klar. Der Slang liegt also nicht im Ursprung, sondern darin, wie oft und mit welchem Unterton man es raushaut.

Andere Arten, es zu sagen

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