Stimmen von der Straße

Kunzo · Wien
"Kohlsprossen sind Rosenkohl, aber Rosenkohl ist zu elegant für Wien. Kohlsprossen klingt nach Winter, nach Pflicht und nach... ihr wisst eh. Beispiel? Die Kinder haben die Kohlsprossen gehasst wie die Pest. Der Vater hat gesagt, ihr esst's oder ihr kriegt nix. Des war a Schlacht."

Was es bedeutet

Kohlsprossen ist in Österreich das ganz normale Wort für Rosenkohl. Klingt weniger geschniegelt als Rosenkohl und hat genau diesen trockenen Küchencharme von Winter, Beilage und frühem Gemüsefrust. Das sagt man völlig normal im Alltag, oft auch mit einem kleinen Augenrollen, weil das Zeug bei vielen seit der Kindheit einen eher schwierigen Ruf hat.

Verwendungsbeispiele

"Die Kinder schaun die Kohlsprossen an wie Feinde. Der Vater: Essts oder es gibt nix. Nach zehn Minuten is Krieg und a bissl Gemurmel."
"Zu Weihnachten gibt es bei uns immer Kohlsprossen, ob man will oder nicht."
"Als Kind hab ich die Kohlsprossen heimlich unter den Kartoffeln versteckt."
"Wennst ma die Kohlsprossen nur ins Wasser haust, brauchst di ned wundern, dass am Tisch Tote Augen sitzen."
"Bei der Oma haben die Kohlsprossen immer in Butter geschwommen, sonst hätt sie erst recht kana angerührt."

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Tonfall
Witzig Abwertend
Wo man es sagt

Woher es kommt

Das Wort ist eine durchsichtige Zusammensetzung aus Kohl und Sprossen. In Österreich ist Kohlsprossen die übliche Bezeichnung für Rosenkohl, also keine schräge Sonderbedeutung, sondern einfach das alltagssprachliche Standardwort ohne das schmückende Rosen davor. Genau deshalb klingt es auch nüchterner und ein bissl bodenständiger.

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