Was es bedeutet
Wenn etwas ohne Plan wuchert und keiner mehr den Überblick hat, nennt man das Wildwuchs. Ursprünglich kommt’s aus Garten und Natur, wird aber gern für Bürokratie, Regeln oder Projekte benutzt, die wie Unkraut schießen. Klingt idyllisch, heißt aber meistens: zu viel, zu chaotisch, zu schnell. Da hilft nur ausmisten oder bald stolperst du drüber.
Verwendungsbeispiele
"Bei uns im Büro ist totaler Wildwuchs: erst noch ein Prozess, dann drei Regeln obendrauf. Jetzt brauchst du fast ein Formular, um Kaffee zu ziehen."
"Bei uns im Großraumbüro der Versicherungsabteilung der zentralen Allianz-Filiale am Münchner Hauptbahnhof ist totaler Wildwuchs der internen Prozesse zugange, erst gab es einen klaren Genehmigungsablauf vom Vorgesetzten der zweiten Reihe, dann kamen drei zusätzliche Regeln des Datenschutzbeauftragten dazu, jetzt brauchst du fast ein Formular auf Papier mit Unterschrift vom Bereichsleiter um Kaffee aus der Maschine der Pausenecke zu ziehen."
"Die Software-Landschaft der IT-Abteilung der Hamburger Reederei in der Speicherstadt hat sich nach zwanzig Jahren ohne klare Strategie der Geschäftsführung der zweiten Generation zum kompletten Wildwuchs der Werkzeuge entwickelt, sieben verschiedene Datenbanken sprechen nicht miteinander, drei Excel-Vorlagen der einzelnen Sachbearbeiter dienen als Krücke des Tagesablaufs, und der neue Chief Information Officer aus Berlin will jetzt das ganze System gleichzeitig in einem Big Bang umstellen lassen."
Woher es kommt
Aus dem deutschen Gartenbau-Vokabular des neunzehnten Jahrhunderts, wo Wildwuchs ursprünglich das ungeordnete Wachstum von Pflanzen ohne züchterische Auswahl bezeichnete, im Gegensatz zur kultivierten Plantage und zum gepflegten Beet des bürgerlichen Stadtgartens. Die metaphorische Übertragung auf bürokratische, technische oder organisatorische Strukturen erfolgte in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts im Vokabular der westdeutschen Wirtschaftsjournalisten, und das Wort dient heute als bequeme Standardetikette für jeden Vorgang, in dem Vorschriften, Tools oder Prozesse ohne übergeordneten Plan wuchern wie Unkraut zwischen den Tomatenstauden des Schrebergartens am Stadtrand.
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