Zelda und die Magikitos: Link gehört zu uns

Seit zwanzig Minuten brüllten wir ein steinernes Tor an. Wir hatten „Sesam, öffne dich“, „bitte“ und „Mach endlich auf, unser Essen wird kalt!“ ausprobiert. Nichts. Das Tor bewies eine bewundernswerte Geduld. Unsere war langsam aufgebraucht.

Dann kam Link zwischen den Farnen hervor. Er betrachtete den Boden, das Tor und das Brett, auf dem wir beim Streiten saßen. Nicht mal sein Schwert zog er.

Wir sahen uns an. Diesen Blick kannten wir. Gleich würde ein Magikito eine Idee haben. Dummerweise sah es so aus, als müssten wir dafür von unserer Bank aufstehen.

Warum ist Link ein Magikito?

Link ist ein Magikito, weil er neugierig auf die Welt zugeht, aus dem, was er findet, etwas macht und anderen hilft. Magikito zu sein ist auch eine Art zu leben. Unsere Waldmagie beginnt damit, dass wir etwas verstehen wollen und anderen einen Platz bei uns geben.

Die Mütze steht ihm natürlich. Aber verräterisch ist dieser Blick: Hier gibt es noch etwas zu entdecken. Wir Wichtel gucken vor einer Geheimtür genauso wie vor einem Topf, den jemand zum Abkühlen hingestellt hat. Manchmal lässt sich Abenteuerlust nur schwer von Appetit unterscheiden.

In Ocarina of Time beginnt sein Abenteuer im Kokiri-Wald. Bei diesen Wegen zwischen den Wurzeln fühlen wir uns sofort zu Hause. Wer mit dem Rascheln der Blätter aufgewachsen ist, hört dem Wald zu. Auch dem Baum da drüben, der seit Stunden knarrt. Vielleicht möchte der bloß am Rücken gekratzt werden.

Link hat schon allerhand Abenteuer erlebt. Die Zeiten in Hyrule ändern sich, und immer wieder taucht dieser Mut auf, hinauszugehen, etwas zu entdecken und sich um andere zu kümmern. Daran erkennen wir Magikitos einander seit sehr langer Zeit. Von uns gibt es noch jede Menge. Wir kommen ständig zu spät, weil unterwegs etwas Schönes unsere Aufmerksamkeit geweckt hat.

Unter der Mütze passiert was

So ein legendäres Schwert finden wir schon toll. Aber an Zelda lieben wir besonders die Momente, in denen wir vor einem Raum stehen und erst mal auf dem Schlauch stehen. Ein Block, eine Strömung, eine verdächtige Wand. Irgendwas davon ist wichtig. Nur was?

Beim Triforce steht Link für Mut und Zelda für Weisheit. Wir mögen den Mut, mit dem man den ersten Schritt wagt, eine Idee ausprobiert oder jemandem hilft, obwohl noch längst nicht alles klar ist. Im Wald entdeckt man vieles mit ein bisschen Kniezittern und einer riesigen Neugier.

Beim Spielen steckt diese Neugier an. Du schaust hin, probierst etwas aus und findest die Lösung. Link darf heldenhaft dastehen. Du hast dir das plötzliche „Ach, SO geht das!“ verdient. Anschließend kannst du zur Keksdose stolzieren, als hättest du gerade ganz Hyrule gerettet.

Zwei Schalter und ein ratloser Haufen

Vor unserem Tor lagen zwei quadratische Druckplatten dicht nebeneinander. Jede betätigte einen eigenen Riegel. Beide mussten unten bleiben, damit sich das Gitter hob. Dahinter stand eine Truhe. Es roch nach Abenteuer. Und ein bisschen nach feuchtem Keller.

Link trat auf die erste Platte. Klick. Der linke Riegel glitt zurück. Sobald Link von der Platte trat, schob sich der Riegel wieder vor. Bei der zweiten Platte bewegte sich der rechte Riegel. Wir hatten mit dem Tor verhandelt. Link fand heraus, wie es funktionierte.

In der Ecke stand ein schmaler, massiver Steinblock. Schwer war der. Link zog ihn auf die erste Platte und stellte sich auf die zweite. Das Gitter ging hoch. Wir jubelten. Er machte einen Schritt zur Truhe. Das Gitter ging runter.

Einer von uns bot an, seinen Platz einzunehmen. Nichts. Dann stellten wir uns alle drei drauf, mit Taschen voller Eicheln und reichlich Selbstvertrauen. Immer noch nichts. Wir waren schlicht zu leicht. Den Rest unseres Lebens als feierliche Briefbeschwerer zu verbringen, kam auch nicht infrage.

Übrig blieb das Brett. Es war lang, stabil und breit genug für den Block. Seine Enden konnten auf den beiden Platten liegen, ohne dass die Mitte den Boden berührte. Der Steinblock allein reichte nicht über beide Platten.

Die Lösung war die ganze Zeit unter unserem Hintern

Wir legten das Brett so hin, dass auf jeder Platte ein Ende lag. Dann zogen wir den Block zur Mitte. Erst lag er etwas schief und nur eine Platte sank ab. Wir schoben ihn vorsichtig weiter und beobachteten die Riegel. Als sich das Gewicht auf beide Auflagen verteilte, gingen beide Platten runter. Der Block war schwer genug. Das Gitter blieb oben.

Wir hatten aufgehört, nach zwei schweren Dingen zu suchen. Stattdessen ließen wir ein schweres Ding an zwei Stellen drücken. Aus „unserer Bank“ war plötzlich das fehlende Werkzeug geworden. Das Holz hatte sich nicht verändert. Unser Blick darauf schon.

Einer behauptete, diesen Geistesblitz hätte er längst gehabt. Derselbe Wichtel wollte dem Tor vorher das Bild eines offenen Tors zeigen, damit es eifersüchtig wird. Wir ließen ihm seinen Stolz. Nach so einem Nachmittag braucht jeder ein bisschen Schonung.

Link und drei Magikitos betrachten einen Steinblock auf einem Brett, das zwei Druckplatten vor einem offenen Tor beschwert
Der Stein war derselbe. Mit unserer Sitzbank bekamen wir endlich das Tor auf.

Von unten sieht die Welt anders aus

In The Minish Cap schrumpft Link, um den winzigen Minish zu helfen. Es rührt uns, dass er eine Welt betritt, an der die meisten einfach vorbeilaufen. Link nimmt die kleinen Dinge ernst. Er bleibt stehen, hört zu und lässt sich überraschen. Bei uns Magikitos hat er immer einen Platz am Feuer.

Wir wissen, wie anders ein Spaziergang wird, wenn dir eine Wurzel bis zur Brust reicht. Was du für einen unwichtigen Spalt hältst, könnte unsere Haustür sein. Um zu verstehen, was dort los ist, musst du dich vielleicht bücken. Von oben sieht man viel. Aber eben nicht alles.

In einem anderen Abenteuer, Tears of the Kingdom, kann Link mit der Ultra-Hand Dinge bewegen und verbinden. Schon taucht diese herrliche Frage auf: Wozu könnte das noch gut sein? Wir haben sie mal einem Küchensieb gestellt. Daraus wurde ein Planetarium für Schnecken.

Da treffen sich Zelda und unsere Lust am Erfinden. Eine Idee will ausprobiert werden. Kippt das Brett, muss es anders liegen. Eine Brücke auszudenken ist schön. Nachzusehen, ob sie bis ans andere Ufer reicht, schadet allerdings auch nicht.

Was hat das Lösen von Zelda-Rätseln mit Köpfchen zu tun?

Ein Rätsel kann verlangen, dass du einen Hinweis entdeckst, dich an eine Regel erinnerst und eine Idee ausprobierst. Manchmal hilft erst ein anderer Ansatz. Festzustecken sagt nichts darüber aus, wie intelligent du bist. Ein Tipp oder eine Lösungshilfe macht dich auch nicht zu einem schlechteren Spieler.

An unserem Tor half es, immer nur eine Sache zu verändern. Erst prüften wir die Platten, dann das Gewicht. Hätten wir alles gleichzeitig bewegt, herumgebrüllt und Flöte gespielt, wüssten wir nicht, was das Tor geöffnet hat. Wahrscheinlich hätten wir der Flöte gedankt. Auf dünnerer Grundlage sind schon Musikerkarrieren entstanden.

Gemeinsam etwas herauszufinden, macht sowieso mehr Spaß. Einer sieht eine Spur, die dir entgangen ist. Eine scheinbar dumme Frage bringt plötzlich alle weiter. Wer gestern ratlos war, findet morgen die Lösung. Dafür brauchen wir keinen fest angestellten Obergenius.

Hyrules fragwürdigster Schatz

Wir öffneten die Truhe. Darin lag eine Suppenkelle.

Zwei Riegel, ein Gitter, eine Druckmechanik und tonnenweise Stein. Für eine Suppenkelle. Wer das gebaut hatte, war ziemlich begabt und sollte vielleicht mal mit jemandem reden.

Link hielt die Kelle so feierlich hoch, dass wir uns vor Lachen krümmten. Dann gab er sie uns. Abends verteilten wir damit den Eintopf. Er saß im Gras, wir auf dem Baumstamm, mit baumelnden Beinen und noch leicht verbeultem Stolz.

Link isst mit drei kleinen Magikitos im Wald Eintopf, einer hält stolz die große Suppenkelle aus der Schatztruhe hoch
Kein Monster besiegt. Dafür sind alle satt geworden.

Link ist ein Magikito durch und durch. An diesem Abend blieb er mit seinen dreckigen Stiefeln zum Essen und lachte mit uns über den Schatz. Zu unserer Waldphilosophie gehört, dass ein Abenteuer noch schöner wird, wenn hinterher jemand da ist, dem man davon erzählen kann.

Vielleicht bist du nach einer Runde Zelda schon einmal spazieren gegangen und hast einen Baum angeschaut, als könnte er ein Geheimnis verbergen. Dann kennst du dieses Gefühl. Ein bisschen Abenteuer kommt mit nach draußen. Du möchtest den Stein umdrehen oder herausfinden, wohin der schmale Pfad führt. Dort findest du uns Magikitos, wahrscheinlich im Streit darüber, wer den letzten Keks gegessen hat.

Manche Magikitos wagen sich in Verliese. Andere rücken am Tisch zusammen, wenn sie dich kommen sehen. Manchmal ist es derselbe, mit dem Schwert am Baum und der Suppenkelle in der Hand.

Sein Schwert nahm er wieder mit. Die Kelle liegt jetzt in einer Schublade. Man zieht am Griff, dann geht sie auf. Eine hervorragende Verbesserung.

Einen Moment: bestätige, dass du ein Mensch bist