Melitón kam mit einem Servierlöffel im Ärmel an unseren Kamin. Angeblich wollte er sich nur die Hände wärmen. Eine davon wog ein Viertelkilo. Wir backten gerade einen Kuchen zum Eintunken in heiße Schokolade, und der kleine Mistkerl hatte seine Waffe schon gewählt.
„Für mich nur ein kleines Stück“, verkündete er.
Liria musterte seinen Ärmel und fettete weiter die Form ein. Draußen regnete es. Drinnen roch es nach Holzfeuer, und der ganze Nachmittag lag noch vor uns. Wir Wichtel lieben diesen Moment, wenn man noch nichts gegessen hat, aber schon weiß, dass die Würde gleich Feierabend macht.
Erst mal einen richtigen Kuchen backen
Für acht Stücke nehmen wir 3 Eier, einen 125-g-Becher Naturjoghurt, einen Becher Sonnenblumenöl, zwei Becher Zucker, drei Becher Weizenmehl und 16 g Backpulver. Backpulver, keine Hefe. Den Joghurt geben wir in eine Schüssel und messen alles Weitere mit demselben sauberen, trockenen Becher ab. Das Mehl streichen wir glatt und drücken es nicht fest.
Den Ofen heizen wir auf 180 °C Ober- und Unterhitze ohne Umluft vor. Wir fetten eine runde Form mit etwa 24 Zentimetern Durchmesser ein und legen den Boden mit Backpapier aus. Am Kamin wärmen wir uns später den Hintern. Der Kuchen braucht einen Ofen mit passender Temperatur. In der Glut würden wir bloß unsere Vorfreude verkohlen.
Wir schlagen die Eier mit dem Zucker, bis die Masse heller wird. Dann rühren wir Joghurt und Öl ein. Mehl und Backpulver sieben wir dazu und rühren nur so lange, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Liria hielt die Schüssel fest. Melitón passte auf, dass niemand den Löffel klaute, den er angeblich gar nicht dabeihatte.
Den Teig füllen wir in die Form und backen ihn auf mittlerer Schiene etwa 35 bis 45 Minuten. Die ersten 30 Minuten bleibt die Tür zu. Ab Minute 35 stechen wir mit einem Holzstäbchen in die Mitte. Daran darf kein roher Teig hängen. Klebt noch feuchter Teig daran, backen wir ein paar Minuten weiter und prüfen erneut. Jeder Ofen hat seine Macken.
Der Kuchen ruht zehn Minuten in der Form. Dann lösen wir ihn heraus und lassen ihn auf einem Gitter lauwarm werden. So zerbricht er beim Schneiden weniger leicht. Melitón schnupperte so dicht daran, dass Liria ihm die Haare aus dem Gesicht schieben musste.
„Atme woanders hin, Kumpel. Mit deiner Nase kühlst du uns den ganzen Kuchen runter.“
Heiße Schokolade und eine große Klappe
Dazu kochen wir acht kleine Tassen Schokolade aus einem Liter Milch, 300 g dunkler Backschokolade und 30 g Maisstärke. Zucker kommt nur dazu, wenn es euch beim Probieren nicht süß genug ist. Etwas von der kalten Milch nehmen wir ab und rühren die Stärke darin glatt. Die übrige Milch erhitzen wir und schmelzen die gehackte Schokolade bei kleiner Hitze unter Rühren darin.
Wir geben die angerührte Stärke dazu und rühren weiter, auch über den Topfboden, bis die Schokolade sanft aufkocht und dickflüssig wird. Etwa eine Minute leicht köcheln lassen, dann vom Herd nehmen. Ist sie zu dick, hilft ein Schuss Milch. Sie soll sich um den Kuchen legen. Wir wollen ihn nicht mit einem Kran bergen müssen.
Wir setzen uns mit angenehmem Abstand ans Feuer und warten, bis die Schokolade nicht mehr brühend heiß ist. Jedes Stück tunken wir nur mit der Spitze ein und ziehen es gleich wieder heraus. Bleibt es drin, weicht es durch und bricht ab. Dann muss der Löffel zum Angeln ran. Hier darf man genießen, ohne dabei besonders vornehm auszusehen.

Die erste Ecke sog sich voll, die Kruste hielt, und vor lauter Genuss sagte keiner mehr etwas. Manchmal passt ein ganzer Nachmittag in einen Bissen. Kurz darauf stritten wir um das knusprigste Randstück. So lange hält die Poesie bei uns auch wieder nicht.
Melitón verteilte die Tassen mit verdächtiger Großzügigkeit. Als wir wieder hinsahen, hatte er den inzwischen lauwarmen Topf auf einem Kissen im Schoß und deckte ihn mit seiner Decke zu. Darunter lugte der Löffel hervor.
„Was hast du denn da?“, fragte Liria.
„Mein Baby. Es ist gerade eingeschlafen.“
Liria hob die Decke an. Melitón hatte einen glänzenden Schokoladenbart von einem Ohr bis zum anderen. Wir kugelten uns vor Lachen.
„Na, wenn du es zur Welt gebracht hast, kannst du auch den verdammten Topf spülen.“