Mit Wasser anstoßen: locker bleiben

Wir stießen auf Severina an, weil sie ein Glas Kichererbsen aufgekriegt hatte, ohne Hilfe zu holen. Drei Tage hatte sie mit dem Deckel gekämpft. Das verdiente eine Feier, ein paar Oliven und endlich Ruhe vor ihrem Klingeln samt „Versuch du mal, ich hab schon vorgelockert“.

Wir setzten uns um einen Baumstumpf. Einer hatte Wein, eine andere Wasser, wir hatten Kaffee und Severina ihr offenes Glas. Das ließ sie nicht einmal zum Winken los. Alles war herrlich, bis Celedonio das Wasserglas entdeckte.

„Halt! Mit Wasser stößt man nicht an. Das bringt Unglück.“

Severina stellte die Kichererbsen ab und sah ihn langsam an.

„Wenn ich noch eine Flasche aufmachen muss, stoßen wir im Februar an.“

Das Wasser will dir die Feier nicht versauen

Man kann mit Wasser anstoßen. Auch mit Kaffee. Alkohol braucht es dafür nicht. Beim Anstoßen feiert man gemeinsam etwas. Es ist keine Getränkekontrolle. Manche meiden Wasser aus Aberglauben oder Gewohnheit. Gefährlich wird es dadurch nicht. Wir glauben jedenfalls nicht, dass das Universum mit einem Notizbuch die Gläser prüft und entscheidet, wem es morgen den Tag verdirbt.

Celedonio bestand auf den Regeln. Er hatte eine Serviette im Kragen und schob beim Reden das Kinn vor. Basilisa hob ihre Kaffeetasse. Er guckte, als wollte sie mit dem Putzeimer anstoßen.

„Was ist denn das?“

„Kaffee, Schätzchen. Erkennt man daran, dass es nach Kaffee riecht und ich ihn trinke.“

Eine Tasse geht also auch. Bei einem heißen Getränk reicht es, sie zu heben, ein paar Worte zu sagen und vorsichtig zu trinken, sobald es nicht mehr zu heiß ist. Man muss die Tasse nicht gegen das Nachbarglas donnern. Wir wollten Severina feiern, nicht Porzellansplitter aus dem Kartoffelpüree fischen.

Wer Wasser möchte, wird bei uns nicht verhört. Wer Saft mitbringt, ist samt Saft willkommen. Wer nichts trinken mag, kann ohne Schluck mitfeiern. Niemand muss sein Getränk rechtfertigen, um an unserem Tisch dazuzugehören. Wer ständig fragt, warum jemand keinen Alkohol trinkt, führt irgendwann Selbstgespräche, während wir seine Oliven aufessen.

Celedonio wollte Ordnung schaffen

Wir sollten noch mal von vorne anfangen. Erst mussten alle gleichzeitig das Glas heben. Dann warten, bis sein Satz fertig war. Dann ihm in die Augen schauen. Uns schliefen schon die Arme ein. Eine Fliege landete auf seiner Serviette und machte es sich gemütlich. Selbst sie wartete auf das Ende der Rede.

Severina hatte Hunger. Sie hob ihr Kichererbsenglas, sagte, dass sie uns wahnsinnig lieb habe und sich die ganzen Vorschriften verpissen könnten. Da hoben wir endlich alle, was wir gerade hatten. Das Wasser glänzte in der Sonne. Basilisa lächelte über ihre Tasse hinweg. Uns wurde warm ums Herz, völlig unabhängig vom Getränk.

Die Magikitos stoßen mit Wasser und Kaffee an, Severina hebt ein Kichererbsenglas und Celedonio versucht die Feier zu dirigieren

Celedonio entspannte sich. Er nahm sein Glas, stand für einen stilvollen Toast auf und trat in den Eimer, in dem wir die Getränke gekühlt hatten. Er landete auf dem Moos. Unverletzt, aber mit nasser Hose und ziemlich durchweichter Würde.

„Seht ihr! Wasser bringt Unglück!“

Severina reichte ihm ein Handtuch.

„Das Wasser hat sich nicht bewegt, verdammt. Du guckst bloß nicht, wo du hintrittst.“

Wir trockneten ihn ab, rückten zusammen und stießen noch mal an. Diesmal wollte Celedonio Kaffee. Und den verfickten Eimer bitte ganz weit weg.

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