Wir bereiteten gerade Tiberios Beerdigung vor, und der freche Sack meckerte immer noch über die Blumen. Keine gelben, die machten ihn so blass. Sein halber Körper war durchsichtig, durch seinen Hintern konnten wir eine Ameise sehen, aber hübsch wollte er trotzdem aussehen. Wenn schon abtreten, dann bitte mit Stil.
Losgegangen war das am Morgen. Er hatte sich in eine Fensternische geschlichen, hinter der sich drei Menschen seit Stunden gegenseitig fertigmachten. Wir sagten ihm, er solle rauskommen. Er krempelte die Ärmel hoch.
„Die krieg ich schon wieder zum Lachen. Haltet mal meinen Käse.“
Zuerst versteckte er die Fernbedienung. Dann ließ er einen Teelöffel im Glas tanzen. Er klebte sich sogar einen Fusselschnurrbart an und wackelte mit den Hüften über die Fensterbank. Nichts. Jeder Streich lieferte neuen Zündstoff. Die warfen sich noch vor, wer bei einer Hochzeit vor fünfzehn Jahren die falschen Servietten gekauft hatte.
Zuerst verloren Tiberios Ohren ihren Glanz. Dann verschwanden die Zehen an einem Fuß. Als wir durch seinen Bauch die Wand sehen konnten, war Schluss mit lustig. Zu zweit packten wir ihn und schleppten ihn schnell auf die Lichtung.
Deshalb nennen wir auch keine Zahl, wenn jemand fragt, wie alt wir werden. Wir können Jahrhunderte leben, solange unser Funke bleibt. Manche von uns haben riesige Eichen aufwachsen sehen und streiten trotzdem noch um die letzte Kichererbse. Man muss es mit dem Erwachsenwerden ja nicht gleich übertreiben, verdammt.
Die Seele zieht weiter um die Häuser
In der Magie unseres Waldes heißt Sterben, dass sich die bisherige Gestalt auflöst. Die Seele geht in etwas anderes über. In einen Baum, ein Tierchen oder einen anderen Menschen. Das Leben sucht sich einen neuen Körper und schaut, wo es wieder Unfug anstellen kann. Wir stellen uns gern vor, wie einer unserer alten Kumpel als Mensch geboren wird und die Hebamme nach etwas zu futtern mustert.
„Sind wir draußen? Prima. Gibt's hier auch belegte Brötchen?“
Aber wir Magikitos-Wichtel haben eine verdammt fiese Schwachstelle. Dauernde Gehässigkeit kann uns als Wichtel vollständig auflösen. Der Funke, der uns zusammenhält, erlischt, und wir kippen auf der Stelle tot um. Die Seele zieht weiter. Doch dieser Freund, mit seiner Stimme und seiner schiefen Mütze, sitzt nie wieder mit uns am Tisch. Deshalb ist das für uns kein Kleinkram.
Solange es geht, versuchen wir's mit frechen Sprüchen, Streichen und Witzen. Wenn es nur noch darum geht, Gift zu verspritzen, hauen wir ab. Wir müssen nicht sterben, um jemanden aufzumuntern, der andere mit Genuss fertigmacht. Traurigkeit ist etwas anderes. Wer traurig ist, bekommt Gesellschaft. Der muss uns keinen verdammten Schuhplattler vorführen.
Der Verblichene war kitzlig
Tiberio war schon so blass, dass Pindongo ihm eine Streichholzschachtel als Bett holte. Der Arme legte sich hin, nahm unsere Hände und verkündete mit gewaltigem Pathos seinen letzten Willen.
„Teilt meinen Käse unter euch auf. Aber die Rinde kriegen diese drei Arschlöcher.“
Wir blieben bei ihm, rieben seine Hände und erzählten von seinen größten Katastrophen. Pindongo wollte sich zum Abschied feierlich verbeugen. Dabei trat er auf den Zipfel seiner eigenen Mütze und landete mit dem Kopf in dem Käse, den er eigentlich halten sollte.
Tiberio kicherte. Dann noch einmal. Pindongo rappelte sich mit Käse am Ohr auf und verbeugte sich munter weiter, dieser herrliche Trottel. Wir lagen alle lachend am Boden. Mit jedem Lacher kam ein Stück von Tiberio zurück. Erst die Zehen, dann der Bauch. So heilt uns die Freude. Sie fügt uns wieder zusammen, solange noch ein Funke glimmt.

Bald war er wieder ganz da, saß in seiner Streichholzschachtel und tunkte Brot. Er umarmte uns einen nach dem anderen. Wir hatten alle einen Kloß im Hals, obwohl Pindongo immer noch nach Käse roch.
Schließlich stand Tiberio auf und griff nach den Stiefeln neben den Blumen. Einer hatte ein riesiges Loch. Er sah Pindongo an, der auffallend schicke Stiefel trug.
„Guck nicht so, Kumpel. Zum Rumliegen hätten meine doch gereicht.“