„Mensch, hör auf, da rauszugucken. Sonst sieht sie uns.“
„Sie hat doch gesagt, dass sie uns kennenlernen möchte.“
„Und du streckst gleich den halben Körper raus, Braulio. Ein bisschen geheimnisvoll dürfen wir schon bleiben.“
Wir saßen zu dritt hinter einem Rosmarintopf. Gegenüber hatte sich eine Frau mit ihrer Tasse in den Händen hingesetzt. Eben hatte sie leise gesagt, dass sie gern mal einen Magikito kennenlernen würde. Sie wollte kein Glück, kein Geld und niemanden, der ihren Drucker repariert. Sie wollte uns kennenlernen.
Da wurde sogar der Bommel an Braulios Mütze ganz weich.
„Dann gehen wir hin und sagen Hallo.“
„Nimm erst mal deinen Fuß aus meinem Ohr.“
Warum verstecken wir uns, obwohl du uns kennenlernen möchtest?
Wir verstecken uns, weil wir gern in unserem eigenen Tempo näherkommen, einen kleinen Streich spielen und dir Gesellschaft leisten, ohne viel Aufhebens zu machen. Wir sind neugierig auf dich. Beim ersten Hallo sind wir aber auch schüchtern. Hinter einem Blumentopf haben wir eine große Klappe. Einfach rauszutreten und „Moin, ich bin dein Wichtel“ zu sagen, braucht deutlich mehr Mut.
Braulio hatte sich das nicht richtig überlegt. Als ihn neulich beinahe jemand entdeckt hätte, legte er sich ein Blatt auf den Kopf und blieb stocksteif stehen.
„Ich bin ein Salatkopf.“
Er stand auf einem Klavier.
Irgendwann bekam er einen Krampf, und wir mussten ihn da runterholen. Trotzdem behauptet er bis heute, er hätte alles im Griff gehabt.
Wir rückten an den Rand des Topfes. Die Frau hatte ihr Handy weggelegt und schaute in den Hof. Sonst tat sie nichts. Sie saß schon eine ganze Weile da. Ihr Tee wurde kalt, ohne dass sie es merkte.
Braulio hörte auf, uns zu schubsen.
„Wartet mal. Vielleicht könnte sie heute ein bisschen Gesellschaft gebrauchen.“
Mit den kleinen Zeichen hapert es noch
Wir wollten ihr etwas Schönes neben die Tasse legen. Nicanor fand ein kleines herzförmiges Blatt, und wir trugen es zu dritt los. Zwei Hände hätten locker gereicht. Aber Braulio wollte die Richtung angeben.
„Weiter nach links.“
„Dann pack mit an. Du zeigst schon die ganze Zeit nur durch die Gegend.“
Der Rosmarin hielt seine Mütze fest. Braulio drehte sich zu dem Zweig um und machte ein ernstes Gesicht.
„Lass los, Schätzchen. Wir haben zu tun.“
Er zog zu fest. Das Blatt flog davon und blieb ihm am Hintern kleben. Wir mussten so kichern, dass wir kaum Luft bekamen. Er lief einfach weiter und glaubte, wir kämen mit der Ladung hinterher.

Am Ende lag das Blatt doch neben der Tasse. Die Frau strich mit einem Finger über seinen Rand und lächelte. Dann sah sie zum Blumentopf.
Wir duckten uns alle gleichzeitig.
„Wart ihr das?“
Braulio packte uns an den Westen. Er wäre vor lauter Antwortdrang fast geplatzt.
Wir blieben still. Dieses Lächeln hatte uns schon glücklicher gemacht als ein ganzer Nachmittag voller Kekse. Manchmal treiben wir einfach aus Spaß Unfug. Manchmal reicht uns so ein kleiner Augenblick mit dir, mitten an einem Nachmittag, der sich endlos zieht.
Natürlich fallen Blätter auch, weil der Wind weht. Wir können uns nicht alles auf die Fahne schreiben. Braulio reicht da völlig. Der wollte uns mal erzählen, er hätte den Schatten erfunden.
Wie kannst du uns näherkommen?
Du kannst mit einer Geschichte, einer Zeichnung oder einem ausgedachten Gespräch beim Pflanzengießen in unsere Welt eintauchen. Deiner Fantasie Platz zu lassen ist schon eine Möglichkeit, Zeit mit uns zu verbringen. Du musst dafür kein Zeichen entdecken und auch nichts besonders gut machen.
Die Frau nahm ihre Tasse wieder in die Hand. Bevor sie ins Haus ging, legte sie einen Keks auf die Untertasse.
„Falls ihr vom vielen Verstecken Hunger bekommt.“
Wir warteten, bis die Tür zu war. Braulio kam als Erster raus und umarmte den Keks mit beiden Armen.

„Ich glaube, sie mag uns.“
„Dann teil mal. Wir sind zu dritt.“
Aus dem Haus hörten wir lautes Lachen.
Diesmal hatten wir wohl zu laut gesprochen.