Falandro tauchte mit einer leeren Klopapierrolle unterm Arm auf und verkündete, dass wir heute etwas Wundervolles erleben würden. Seit drei Tagen laberte er uns mit dem grünen Blitz voll. Er wisse ganz genau, wann der komme. Die Sonne hatte er angeblich voll im Griff.
Wir schnappten uns eine Decke, eine Handvoll Oliven und Berto. Der war eingeschlafen, während Falandro erklärte, wo die Sonne untergeht. Lirina brachte eine Muschel für die Oliven mit. Wir waren bereit.
Auf dem Hügel am Meer angekommen, kletterte unser Experte auf einen Stein und packte seine Ausrüstung aus. Na ja, er zog sie unter der Achsel hervor. Die Papprolle vom Klo. Keine Linsen. Gar nichts.
„Alter, das Ding vergrößert doch einen Scheiß“, sagte Berto beim Ausprobieren.
„Es bündelt deine Aufmerksamkeit, du Banause. Andere Technologie.“
Lirina drehte die Rolle um und entdeckte einen festgeklebten Rest Klopapier. Falandro zupfte ihn mit größter Würde ab. Das sei der Filter, erklärte er. Wir mussten so lachen, dass jemand die Muschel festhalten musste, damit die Oliven nicht durch die Gegend kullerten.
Der Himmel nimmt keine Bestellungen an
Den grünen Blitz gibt es wirklich, ihr Lieben. Manchmal leuchtet ganz am Ende des Sonnenuntergangs für einen winzigen Moment etwas grün auf. Das kann auch beim Sonnenaufgang passieren. Die Atmosphäre lenkt das Licht ab und trennt dabei seine Farben. Unter bestimmten Luftbedingungen wird dieser letzte grüne Schimmer sichtbar. Die Bedingungen müssen passen, und man braucht einen freien Blick auf den Horizont. Laut Falandro half es außerdem, ihn dabeizuhaben.
Wir breiteten die Decke aus und legten die Rolle auf den Stein. Das Meer färbte sich langsam pfirsichfarben. Berto verteilte die Oliven, für jeden eine. Danach gönnte er sich eine zweite fürs Verteilen. Wir nahmen ihm die Muschel ab, bevor er auch noch Lieferkosten berechnete.
Eine Weile verging. Falandro schaute zum Himmel, rückte seine Mütze zurecht und sah wieder zu uns. Irgendjemand sollte endlich würdigen, wie hervorragend er das alles organisierte. Wir genossen die salzige Luft. Eine Möwe landete in der Nähe. Er wollte sie verscheuchen, weil sie seine Konzentration störte. Die Möwe blieb. Wir auch.
„Na los, Sonne, mach hinne. Uns geht hier der Abend flöten.“
Da flutschte Falandro die letzte Olive aus der Hand. Sie rollte über die Decke und fiel zwischen zwei Steine. Sofort bückte er sich. Er griff in die Lücke, legte sich noch ein Stück weiter nach vorn und streckte schließlich den Hintern in die Luft. Dabei brummelte er, ausgerechnet das sei die dickste gewesen.
Und plötzlich waren wir still
Genau da passierte es. Am Rand des Meeres blitzte ein kleines, klares, wunderschönes Grün auf. Lirina hatte gerade noch Zeit, Bertos Hand zu drücken. Wir hielten still. Normalerweise kriegt man uns ja kaum dazu, die Klappe zu halten. Aber für diese eine Sekunde fiel selbst uns kein frecher Spruch ein.
Zwischen Lirinas Fingern blieb ein grüner Funke zurück. So etwas passiert uns Magikitos, wenn uns etwas ganz tief berührt. Sie legte die andere Hand darüber, damit der Wind ihn nicht mitnahm. Berto lächelte mit feuchten Augen. Wir zogen ihm wortlos die Decke ein Stück höher.

Falandro hob mit seiner geretteten Olive den Kopf und sah unsere Gesichter. Er blickte zum Horizont. Dann zur Papprolle. Ganz langsam richtete er sich auf.
„Wie, schon vorbei? Wegen dieser beschissenen Olive!“
Wir bogen uns vor Lachen. Er versuchte, sauer zu sein, musste aber bald selbst mitlachen, noch mit Erde auf der Nase. Lirina öffnete ihre Hände und pustete ihm den Funken an die Brust. Ein Knopf seiner Weste begann zu leuchten. Falandro strich mit einem Finger darüber. Eine kleine Weile musste er niemandem etwas beweisen.
Dann griff er nach seinem Fernrohr, stand auf und verkündete, dass wir morgen wiederkommen würden. Heute sei die Generalprobe gewesen. Todernst zwinkerte er uns zu und hielt die Olive hoch.
„Aber morgen bringt ihr welche ohne Stein mit. Wenn ich den nächsten Blitz verpasse, weil ich einen Kern ausspucke, schieb ich euch das Fernrohr in den Arsch.“