Einer baut, zehn quatschen: das Flaschenboot

Roque machte einen Anfängerfehler: Er erzählte uns, dass er etwas bauen wollte. Dabei wollte er bloß über den Fluss, um Brombeeren zu pflücken. Nichts Wildes. Leider hatten zehn Magikitos gerade nichts zu tun und verdammt viel zu sagen. Der arme Kerl konnte einem leidtun.

Zwischen den Farnen hatte er eine Plastikflasche gefunden. Er hob sie auf, schnitt oben eine Öffnung hinein und machte aus einem Zweig einen Mast. Als Segel sollten ein paar Fetzen von einem alten Hemd dienen. Das wurde ein richtig schmuckes kleines Boot.

„Du und ich machen gleich eine schöne kleine Fahrt, meine Hübsche“, sagte er zum Boot und rückte das Segel zurecht.

Da kommen die Experten

Bartolo tauchte auf, die Hände in den Taschen und die Brust weit rausgestreckt. Er hatte noch nicht mal einen Faden festgehalten, zog aber schon eine Schnute.

„Ohne Motor ist das doch scheiße.“

„Bartolo, das andere Ufer ist genau da. Einmal kräftig niesen und ich bin drüben.“

Das reichte ihm nicht. Er holte den Motor eines ferngesteuerten Autos und schleifte ihn heran. Der sollte unbedingt dorthin, wo Roque sitzen wollte. Als wir fragten, wo denn der Passagier bleiben sollte, zeigte Bartolo auf den Mast. Dranhängen. Muss man sich erst mal trauen, so einen Quatsch vorzuschlagen.

Dann kam Pepa. Sie fuhr mit dem Finger über die Flasche, betrachtete den Dreck und guckte, als hätte sie eine Leiche entdeckt.

„Da steige ich nicht ein. Das Ding ist dreckig.“

„Dann wasch es halt, Schätzchen. Der Fluss ist gleich neben dir.“

Sie war stinksauer. Sie war gekommen, um auf den Dreck hinzuweisen, nicht um ihn wegzumachen. Am Ende wusch Roque die Flasche. Bartolo erklärte ihm dabei, dass er auch das falsch machte. Wir saßen auf einer Wurzel und warteten darauf, dass Roque der Kragen platzte.

Celso kam mit zwei riesigen Blättern unter dem Arm. Übers Wasser zu fahren war ihm zu kleinkariert. Flügel mussten her. Er band die Blätter seitlich an die Flasche und breitete die Arme aus, um uns den Flug vorzuführen. Dabei knallte er mit der Stirn gegen einen Ast. Die Flügel wurden trotzdem abgesegnet.

Roque hielt immer noch seine Schnur fest. Jedes Mal, wenn er einen Knoten machen wollte, nahm sie ihm jemand ab, um einen besseren zu zeigen. Er stand schon ewig mit demselben Stück da und hatte noch gar nichts festgebunden. Inzwischen nervte ihn schon der Anblick unserer Hände.

Jetzt hatte das Boot eine Terrasse

Einer brachte eine halbe Walnussschale als Klo an. Ein anderer bestand auf einem Sonnendach. Das verdeckte das Segel, also wollte der Flügelfan einen höheren Mast. Zum Ausgleich schleppte der nächste Schlaumeier einen Stein als Anker an. Kaum ließ er ihn hineinfallen, war die Flasche eingedrückt.

Mittlerweile quatschten alle zehn dazwischen. Zwei stritten über den Namen, einer wollte Fahrkarten verkaufen. Der Letzte ernannte sich zum Kapitän, weil er eine blaue Mütze hatte. Schwimmen konnte er nicht. Dafür konnte er hervorragend brüllen.

Drei Magikitos stehen sich im Weg, während sie einen Motor und Blattflügel an einem Plastikflaschenboot anbringen
Roque wollte, dass jemand einen Faden festhält. Die anderen bauten ihm einen Flughafen.

Roque hob das Gebilde hoch. Das Klo kullerte heraus, das Sonnendach blieb an seinem Ohr hängen und Bartolo verlangte, dass niemand etwas anfasste. Er hatte den Motor nämlich fast an seinem Platz. Fast auf Pepas Fuß.

Roque sah uns der Reihe nach an. Ganz langsam. Dann stellte er die Flasche ab und zog die Stiefel aus.

„Wo willst du hin? Wir haben noch gar nicht entschieden, wer das Kommando hat.“

„Ihr könnt mich alle mal. Ich schwimme.“

Er sprang ins Wasser und schwamm allein hinüber. Wir blieben am Ufer und diskutierten seinen Schwimmstil. So sehr muss man anderen erst mal auf den Sack gehen können. An dem Nachmittag hatten wir wirklich einen Lauf.

Später kam er mit den Brombeeren zurück, setzte sich weit weg von uns und fing an zu essen. Bartolo ging zu ihm, nahm eine Beere und betrachtete sie.

„Daraus könnten wir Marmelade machen.“

Roque stopfte sich die übrigen Beeren in den Mund. Alle.

„Mit vollem Mund versteh ich dich leider nicht, Kumpel.“

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