Die sieben hermetischen Gesetze (aus Koboldsicht)

Vor ein paar Jahrhunderten setzten sich ein paar Menschen in Roben und mit zu-wenig-geschlafen-Gesichtern hin und schrieben sieben kleine Sätze darüber, wie das ganze Universum funktioniert. Sie nannten sie die hermetischen Gesetze, hängten sie einem gewissen Hermes Trismegistos um und versteckten sie in einem schmalen Buch, dem Kybalion, so wie man den guten Pilz versteckt, damit ihn der Nachbar nicht wegschnappt.

Wir Kobolde kichern da leise in uns hinein. Denn diese sieben Gesetze leben wir schon, seit es Roben überhaupt gab. Wir studieren sie nicht. Wir treten sie jeden Morgen barfuß, während der Rest des Waldes noch gähnt.

Und keine Sorge, wir wollen dir keine Zauberstäbe andrehen oder dich mit Räucherstäbchen einnebeln. Die hermetischen Gesetze sind kein Jahrmarktstrick. Sie sind das Kleingedruckte des Alltags, das, was die Tortilla stocken lässt, die Pfütze den Himmel nachmalen lässt und das Lachen, das du heute rauslässt, nächste Woche zurückkommen lässt. Holen wir sie mal vom Sockel und stecken wir sie in Gummistiefel.

Was sind die sieben hermetischen Gesetze?

Die sieben hermetischen Gesetze sind sieben Grundgedanken aus dem Kybalion, einem Buch von 1908, die zusammenfassen, wie sich die Wirklichkeit verhält: Mentalismus, Entsprechung, Schwingung, Polarität, Rhythmus, Ursache und Wirkung, und Geschlecht. Das ist keine Religion und kein Aberglaube, sondern eine alte Art zu sagen, dass alles im Geist beginnt, dass alles schwingt, dass alles seinen Gegenpol und seine Gezeiten hat und dass nichts durch Zufall passiert. Auf Koboldisch, es ist die Bedienungsanleitung des Universums, hinten auf den Umschlag gedruckt, in winzigen Buchstaben, damit sich fast keiner die Mühe macht.

Gehen wir sie eins nach dem anderen durch, ohne Robe, mit den Füßen im Matsch.

1. Mentalismus: alles beginnt im Kopf

Das erste sagt: "Das All ist Geist." Bevor eine Tortilla existiert, lebte diese Tortilla schon in einem Kopf, der Hunger bekam. Der Wald, dein Haus, dieser Moment, den du gerade liest, alles war zuerst eine Idee, die sich jemand mit Absicht ausdachte. Die Wirklichkeit fällt nicht fertig gebaut vom Himmel. Sie wird erst gedacht und stockt danach.

Für uns ist das das tägliche Brot. Ein Kobold, der aufwacht und sicher ist, dass heute alles schiefgeht, stolpert über seinen eigenen Schatten. Der, der aufwacht und sich einen saftigen Tag ausmalt, hat schon zu bauen angefangen, bevor er die Stiefel schnürt. Das ist keine Stabzauberei, der Kopf ist eben die Werkstatt, in der alles andere gekocht wird. So sehen wir die Welt hier, und genau darum dreht sich unsere ganze Magikita-Philosophie.

2. Entsprechung: wie oben, so unten

Beug dich nachts über eine ruhige Pfütze und du siehst den ganzen Himmel darin sitzen, Sterne inklusive. Das ist die Entsprechung: das Große wiederholt sich im Kleinen, und was innen ist, lugt am Ende immer nach außen. Der klassische Satz lautet "wie oben, so unten, wie unten, so oben".

In Gummistiefel und Schürze übersetzt: dein unordentliches Zimmer ist dein unordentlicher Kopf, zum Trocknen aufgehängt. Die Ecke, in der du lebst, verrät deine Laune, auch wenn du keinem was gesagt hast. Deshalb fühlt sich innen was aufgeräumt an, wenn du eine Schublade aufräumst, und das ist kein Zufall, das ist reine Entsprechung. Die Menschen gaben dem Spiel damit zu Hause einen Namen und nannten es Feng Shui, aber die Pfütze wusste es zuerst.

3. Schwingung: nicht mal der Stein steht still

Das dritte macht anfangs schwindelig: "nichts ruht, alles bewegt sich, alles schwingt". Was still aussieht, ein Stein, ein Tisch, deine Oma beim Mittagsschlaf, ist innen ein wildes Gewusel aus winzigen Dingen, die mit Karacho herumsausen. Alles ist schwingende Energie, und das Einzige, was sich von einem Ding zum anderen ändert, ist, wie schnell es das tut.

Der Stein schwingt langsam und gelangweilt. Die Freude schwingt schnell und hüpfend. Und jetzt kommt das Gute: du kannst deine eigene Frequenz hochdrehen, wann immer dir danach ist. Ein Lied, eine Umarmung, ein Spaziergang zwischen Bäumen, schon hast du den Sender gewechselt. Auf der Straße heißt das den Vibe fühlen, und das beschreibt das Gesetz der Schwingung besser als jede verstaubte Abhandlung. Um genau diese ansteckende Energie, die den Ton hebt, geht es bei allem, was wir über die magischen Funken erzählen.

Hass ist nicht das Gegenteil von Liebe. Er ist Liebe mit durchgebrannter Birne.

4. Polarität: Kälte ist Wärme mit Faulheit

"Alles ist doppelt, alles hat seine Pole, alles hat sein Gegensatzpaar." Klingt nach Binsenweisheit, bis du genau hinschaust. Kälte und Wärme sind keine Feinde, sie sind dasselbe, nur in anderem Grad gemessen. Wo hört kalt auf und fängt warm an? Nirgends und überall, denn es ist eine Skala, keine zwei verfeindeten Lager.

Bei Gefühlen ist es genauso. Der schelmische Kobold und der gütige Kobold sind nicht zwei Kobolde, sie sind einer mit hoch- oder runtergedrehter Birne. Und das Schöne daran, dich auf einer Skala zu wissen, ist, dass du auf ihr wandern kannst. Von Angst zu Respekt, vom Trotz zur Lust, vom Tief zum "na komm schon". Kein unmöglicher Sprung nötig, nur das Rädchen einen Zacken höher schubsen.

5. Rhythmus: alles hat seine Gezeiten

Das fünfte Gesetz ist ein Pendel: "alles fließt, raus und rein, alles hat seine Gezeiten, alles steigt und fällt". Nichts bleibt für immer oben, und das ist die schlechte und die gute Nachricht auf einmal. Die Party endet, klar. Aber die Ebbe zieht sich auch zurück, und das ist der Teil, an den sich fast keiner erinnert, wenn er im Matsch feststeckt.

Eine alte Messing-Pendeluhr schwingt sanft in einer gemütlichen Holzhütte, daneben dampft eine Tasse Tee
Das Pendel hat noch nie jemanden unten sitzen lassen.

Graue Tage sind keine Strafe und kein Defekt. Sie sind Ebbe, und die Ebbe gibt es, damit die Flut etwas bedeutet. Wenn uns ein bleierner Tag erwischt, kämpfen wir nicht gegen die Strömung. Wir setzen uns hin, stellen die Stiefel zum Trocknen raus und warten, denn das Pendel hat noch nie jemanden unten sitzen lassen. Es schwingt immer zu dir zurück.

6. Ursache und Wirkung: kein Zufall, sondern Folge

"Jede Ursache hat ihre Wirkung, jede Wirkung ihre Ursache." Was du Zufall nennst, ist fast immer eine Ursache, die du aus dem Augenwinkel nicht hast kommen sehen. Es ist nicht so, dass das Schicksal was gegen dich hätte, jedes kleine Ding, das du in die Welt lässt, webt einfach das nächste, ohne dich um Erlaubnis zu fragen.

Deshalb säen wir Kobolde vorsichtig, was wir loslassen. Ein Lachen von heute verpufft nicht in der Luft, es wird irgendwo verstaut und kommt zurückgehüpft, wenn du am wenigsten damit rechnest, manchmal im Gesicht von jemand anderem. Sä Hektik und du erntest Stolperer. Sä gute Laune und mach dich bereit, sie mit Zinsen zurückzubekommen. Der Wald führt Buch, auch wenn er sie dir nie zeigt.

7. Geschlecht: es braucht das Träumen und das Machen

Das siebte schließt den Kreis: "alles hat sein männliches und weibliches Prinzip, auf jeder Ebene". Und bevor sich jemand verheddert, hier geht es nicht um Geschlechter oder Schnurrbärte. Es geht um zwei Energien, die es braucht, um überhaupt irgendetwas zu erschaffen: eine, die die Idee träumt, und eine, die sie in die Welt bringt und zum Laufen kriegt.

Eine allein reicht nicht. Ein Traum ohne Hände, die ihn bearbeiten, bleibt ein hübsches Rauchwölkchen. Und Hände ohne Traum, der sie lenkt, schieben den ganzen Tag Sachen hin und her, ohne was zu bauen. Alles, was wirklich geboren wird, ein Brot, eine Zärtlichkeit, eine kleine Tonfigur, braucht beides: den Funken, der sich was ausdenkt, und die Schwiele, die schwitzt. Träumen und Machen, immer Hand in Hand.

Bringen die hermetischen Gesetze im Alltag überhaupt was?

Ja, und zwar richtig viel, sobald du aufhörst, sie wie ein Museumsstück zu behandeln, und sie als Kompass benutzt. Die Entsprechung sagt dir, dass Aufräumen deiner Ecke deine Laune aufräumt. Die Schwingung, dass du mit einem Lied oder einem Spaziergang den Sender wechseln kannst. Der Rhythmus, dass kein Tief für immer dauert. Ursache und Wirkung, dass zurückkommt, was du säst. Du musst an nichts Komisches glauben, schau deinen Tag einfach durch diese sieben Brillen an und sieh zu, wie fast alles einrastet. Alt sind sie, sicher, aber sie funktionieren wie am ersten Tag.

Damit sie dir nicht entwischen, hier hast du sie alle beisammen, auf eine Zeile eingedampft und ins Waldische übersetzt:

Hermetisches GesetzDer KernsatzWie es im Wald gelebt wird
MentalismusDas All ist GeistDenk den Tag saftig, bevor du die Stiefel schnürst
EntsprechungWie oben, so untenRäum die Schublade und dein Kopf räumt mit auf
SchwingungAlles bewegt sich, alles schwingtDreh die Frequenz hoch und fühl den Vibe
PolaritätAlles hat sein GegenteilWandere die Skala, spring nicht ins Loch
RhythmusAlles hat seine GezeitenSitz still, das Pendel schwingt zurück
Ursache und WirkungJede Ursache hat ihre WirkungSä gute Laune und mach dich ans Ernten
GeschlechtEs braucht den Träumer und den MacherVerbinde Traum und Schwiele, um was zu schaffen

Waldtest: such dir heute ein einziges Gesetz aus und leb es einen ganzen Tag. Räum morgens eine Ecke auf (Entsprechung) und merk, wie anders du abends atmest. Ein Gesetz, ein Tag, null Robe.

Ein stiller Waldteich in der Dämmerung spiegelt den ganzen Sternenhimmel, mit einer kleinen Holzbrücke und Papierlaternen an einem Ast
Wie oben, so unten. Die Pfütze weiß es schon immer.

Jetzt weißt du es also. Die sieben hermetischen Gesetze wohnen nicht in einem staubigen Tempel und verlangen nicht, dass du dich verkleidest. Sie wohnen in der Pfütze, in der Schublade, in dem Lachen, das du rauslässt, und in der Flut, die kommt und geht. Wir Kobolde treten sie barfuß, weil sie der Boden des Waldes selbst sind. Und jetzt, wo du sie siehst, trittst du sie dein ganzes Leben schon mit. Nur wusstest du bis heute nicht, wie sie heißen.

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