Komorebi: das Licht, das sich höflich durchmogelt
KuriositätManchmal läufst du so vor dich hin und plötzlich ist der Boden voller tanzender Lichtflecken, als würde der Wald glitzerndes Konfetti werfen. Das ist nicht die Sonne, die voll draufknallt, und auch nicht Schatten, der alles schluckt. Das ist dieses sanfte Licht, das die Äste erst mal freundlich um Erlaubnis bitten muss. In Japan gibt es dafür ein wunderschönes Wort: Komorebi.
Wie funktioniert Komorebi eigentlich?
Was du siehst, ist ein kleines Hindernisrennen. Die Blätter sind wie ein riesiges Sieb und teilen die Sonnenstrahlen in tausend goldene Fäden. Bewegt der Wind einen Ast, rutschen diese Fäden weiter und die Schatten ändern sich, als wären sie lebendig.

Es ist Licht mit Struktur, gefiltert und ruhig, das nur auftaucht, wenn die Bäume beschließen, die Sonne mit dir zu teilen.
Was ist die Etymologie von Komorebi?
Der Name ist wie ein Puzzle aus drei Teilen, die perfekt ineinandergreifen. Erst kommt Ki, das heißt Baum. Dann Komore, das ist das Durchschlüpfen oder Sich-durch-einen-engen-Spalt-mogeln. Und am Ende Bi, das ist die Sonne. Zusammengesetzt beschreibt es den Lichtstrahl, der es durch das Blätterlabyrinth bis auf den Boden geschafft hat. Fast so, als hätte sich das Licht extra angestrengt, nur um dir kurz Hallo zu sagen.
Das Lustige ist: Sobald du es beim Namen nennst, siehst du keine „Lichtflecken“ mehr. Du merkst den Takt vom Wind in den Schatten, und wie sich die Farbe verändert, je nachdem, welcher Baum über dir steht. Mit dem Namen wird aus einem normalen Moment ein kleines, geheimes Geschenk vom Wald, nur weil du gerade vorbeikommst.
Im Wald nutzen wir das als Zeichen: Wenn sich der Tag heute grau anfühlt, such dir ein bisschen Komorebi, notfalls im Spiegelbild eines Fensters. Dieses Licht, das sich überall reinmogelt, wo es nur kann, ist der Beweis, dass es immer irgendwo einen Spalt gibt, durch den ein bisschen Ruhe reinkommt.